Fast Fashion und deren verheerende Folgen

Heutzutage ist Fast Fashion nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Doch nur wenige wissen, welche gravierenden Auswirkungen diese auf die Umwelt und den Menschen hat.

Was man unter „Fast Fashion“ versteht? Es mag keine eindeutige Definition von Fast Fashion, also „schneller Mode“ geben, aber gemeint ist im Grunde jene Mode, die in Massen produziert und zu Billigstpreisen angeboten wird. Die Produktion der Kleidung wird dabei sehr beschleunigt. Man bedenke: Oftmals liegen zwischen Entwurf und Verkauf im Laden nur zwei bis drei Wochen. Durch den Anspruch nach ständig neuen Kollektionen sind die Vorlaufzeiten für diese sehr gering. Dabei will man die Kosten möglichst geringhalten und den Entwurf so schnell wie möglich als Kleidungsstück in den Verkaufsraum bringen. Umweltaspekte geraten meist völlig in den Hintergrund.

Häufig wechselnde Kollektionen

Bekannte Modelabels, die so agieren sind zum Beispiel Zara mit 24 Kollektionen pro Jahr, H&M mit 12-16 Kollektionen pro Jahr, ASOS oder Primark. Selbst Luxusmarken wie Chanel oder Louis Vuitton verfolgen die Fast Fashion Strategie. Die Absicht der Labels ist offensichtlich: Sie wollen Kundenaufmerksamkeit gewinnen, indem sie in der niedrigen bzw. mittleren Preisklasse mit bekannten Modedesignern, Models, Fotografen oder Influencern neue Kollektionen herausbringen.

Die Zahlen sind erschreckend. Weltweit werden jährlich rund 80 Milliarden Kleidungsstücke produziert und über 800 000 Tonnen Textilien nach Deutschland exportiert. Heutzutage haben deutsche Verbraucher laut Greenpeace viermal soviel Kleidung als im Jahr 1980 und im Schnitt sind 20 Teile dabei, die nie getragen werden. Die Kombination aus schlechter Qualität und niedrigen Preisen führt zu einer verkürzten Nutzungsdauer und unsere heutige Wegwerfmentalität wird nur noch mehr gefördert. Zudem stammen ca. 90% der in Deutschland gekauften Bekleidung aus dem Import aus China, der Türkei und Bangladesch.

Die auffallenden, farbigen Aufdrucke oder Stoffveredelungen auf den Kleidungsstücken können oftmals nur mit giftigen Chemikalien realisiert werden. Die Textilfärberei ist weltweit die zweitgrößte Verschmutzerin von Wasser nach der Landwirtschaft.

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Die negativen Auswirkungen für die Umwelt sind dabei enorm: Das Wasser wird verschmutzt, die Produktion erfordert eine hohen Chemikalieneinsatz und eine zunehmende Menge an Textilabfällen füllt die Deponien. Laut Greenpeace sind bereits zwei Drittel der chinesischen Flüsse und Seen stark verunreinigt. Die Giftstoffe gelangen ungeklärt ins Grundwasser.

Mikroplastik und toxische Chemikalien

Der beliebteste Stoff in der Mode ist Polyester. Doch sobald dieser in der Waschmaschine landet, gibt das Material kleinste Mikrofasern ab, die von unseren Kläranlagen nicht gänzlich herausgefiltert werden können. Somit gelangt das Mikroplastik in unser Grundwasser, in unsere Meere und Flüsse. Da Mikroplastik aber nicht biologisch abbaubar ist, ist es eine starke Bedrohung für die Wasserlebewesen. Das Mikroplastik ist so klein, dass Plankton dies als Nahrung zu sich nimmt und die Fische in Folge das Plankton mit dem Mikroplastik fressen. Der Fisch wird von uns Menschen verzehrt und somit haben auch wir das Mikroplastik in uns.

Zudem ist der größte Teil der Baumwolle gentechnisch manipuliert, damit sie gegen bestimmte Krankheiten resistent ist. Dadurch verbessert sich der Ernteertrag und der Pestizideinsatz kann verringert werden. Für Mensch und Tier führt das jedoch zu erheblichen Nachteilen, da für die Vernichtung des Unkrautes die üblichen Chemikalien nicht mehr ausreichen und somit immer stärkere Gifte eingesetzt werden müssen. Der Trend zu Fast Fashion hat also auch gewaltige Einflüsse auf uns Menschen.

Der Einsatz von toxischen Chemikalien in der Landwirtschaft hat verheerende Auswirkungen. Speziell der Anbau von Baumwolle erfordert hohe Mengen an Wasser und Pestiziden, um Ernteausfälle zu verhindern. Besonders in von Dürren bedrohten Entwicklungsländern stellen diese hohen Kosten eine Bedrohung dar. Der Dokumentarfilm „The True Cost“ veranschaulicht außerdem die drastischen Folgen für die Menschen in den Anbaugebieten: U.a. erzählt er uns vom Tod eines Bauern durch einen Gehirntumor oder von schweren Geburtsfehlern bei Kindern indischer Baumwollbauern.

Die Modemarken wurden durch Aufklärungsberichte von Greenpeace stark unter Druck gesetzt. Greenpeace testete eine Reihe von Labels auf giftige Chemikalien und bestätigte ihr Vorhandensein. Viele dieser Stoffe sind in einigen Ländern inzwischen verboten, da sie hormonstörend, krebserregend oder giftig für den menschlichen Organismus sind.

Ein Baumwoll- T-Shirt in Zahlen:

  • 15 000 Liter Wasser braucht es für die Herstellung eines Kilos Baumwolle
  • 1 kg Baumwolle benötigt es für ein T-Shirt
  • 1 kg umweltschädliche Chemikalien entfallen auf 1kg fertige T-Shirts
  • 8-9kg CO2 Ausstoß verursachen Produktion und Waschen eines T-Shirts.
  • PS: Der Transport des T-Shirts vom Entwicklungsland zu uns nach Europa ist hier noch nicht einberechnet!

Gegentrend Slow Fashion

Einen Gegentrend zur Fast Fashion setzt die aktuelle Slow Fashion Bewegung, welche auf nachhaltige, bewusste und entschleunigte Mode mit einer fairen Bezahlung und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen für die Arbeiter*innen setzt. Das Interesse an up- und recycelter Mode wird immer größer, jedoch sind die derzeitigen Recyclingquoten für Textilien noch sehr niedrig. Trotz des aufsteigenden und gefragten Marktes werfen zum Beispiel drei Viertel der Brit*innen die unerwünschte Kleidung weg, anstatt sie zu spenden oder zu recyceln. Auch Bio-Baumwolle ist stark im Kommen, jedoch macht die Gesamtverwendung weniger als ein Prozent der jährlichen Baumwollernte aus. H&M und Inditex, Muttergesellschaft von Zara, gehörten 2016 zu den fünf größten Bio-Baumwollverbrauchern.

Für die Erhaltung der Umwelt und die Gesundheit der Menschen sollte der Konsum im Alltag reduziert werden. Der Wechsel zu nachhaltiger, fairer Mode ist unbedingt notwendig.

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