Umweltsünder Wiener Schnitzel

Was hat eine vegane Ernährung mit der heutigen Klimakrise zu tun?

Viele Faktoren verursachen die Klimaerwärmung, sei es der Konsum von Fast Fashion oder von Flugreisen, sei es das Autofahren oder der Strom aus Verbrennungskraftwerken. Insbesondere jedoch hat unsere Ernährungsweise einen bedeutenden Einfluss auf die Klimabilanz. Warum können wir nicht mehr „einfach so“ tierische Produkte konsumieren, ohne dass es dabei unserer Erde an den Kragen geht? Mit welchen indirekten und direkten Auswirkungen der Massentierhaltung des heutigen Jahrhunderts werden wir wirklich konfrontiert?

„You are personally responsible for becoming more ethical than the society you grew up in.“

– Eliezer Yudkowsky

Unser CO2-Verbrauch

Die Menschen in Österreich verbrauchen rund 8-9 Tonnen CO2 pro Kopf im Jahr. Im Vergleich mit anderen Ländern wie Indien mit 1,9 Tonnen oder dem weltweiten Durchschnitt von 4,9 Tonnen pro Kopf ist dies enorm viel. Der Verzicht auf tierische Produkte würde bedeuten, dass der persönliche CO2-Ausstoß um zwei Drittel sinkt. Die Angaben vieler Studien schwanken teils heftig, jedoch sind ihre Ergebnisse sehr ähnlich: Die Ernährung hat einen bedeutenden Einfluss auf den Klimawandel.

Fakt ist, dass Fleisch eine der größten Umweltsünder ist, die es gibt. Allein die Massentierhaltung ist für 15% der weltweiten Klimagasemissionen verantwortlich. Das ist mehr als alle Flugzeuge, Autos und Züge zusammen.

Landverbrauch

Tiere beanspruchen in ihrem Leben viel Land. Zum einen durch ihren Stall und zum anderen durch die Anbaufläche für ihr Futter. Insgesamt 26% der weltweiten Landfläche unseres Planeten wird für die Massentierhaltung benötigt. Die aus den Tieren gewonnene Nahrung stellt dabei nur 18% der weltweit benötigten Kalorien bereit. Somit wäre es weitaus effizienter aus dem angebauten Getreide Nahrung für Menschen herzustellen, anstelle es an die Tiere zu verfüttern. Außerdem könnte man stattdessen wilde Wiesen, Bäume und andere Pflanzen anbauen. Diese würden CO2 binden, Sauerstoff produzieren und somit den Klimawandel etwas verlangsamen.

Folgendes Beispiel verdeutlicht, dass es dabei nicht nur um Fleischverzicht geht, sondern auch die Milchproduktion ähnlich klimaschädliche Folgen hat:

Jährlich wird eine Fläche von zwei Tennisplätzen abgenützt, wenn man pro Tag 200ml Kuhmilch trinkt. Beim täglichen Verzehr eines Rindfleischburgers sind das über 8000 m2 pro Jahr.

Der Kot der Tiere

Anders als beim Menschen, wo die Fäkalien die Toilette hinuntergespült werden und anschließend in eine Kläranlage gelangen, gelangt der Kot der Tiere auf direktem Weg in unser Grundwasser. Zudem ist der Kot ist auch noch mit Medikamenten wie z.B. Antibiotika belastet. Unser Grundwasser wird also mit haufenweise Nitraten, Phosphaten und anderen Substanzen verseucht.

Ein Beispiel aus dem Film „What the Health“: ein erwachsenes Schwein produziert 8-9mal so viel Kot wie ein erwachsener Mensch. Die daraus entstehende Gülle gelangt ungeklärt als Düngemittel auf die Felder, auf welchen Gemüse und Getreide angebaut wird. Somit gelangen dies in den menschlichen Nahrungskreislauf. Die Gülle belastet die Menschen und Umwelt sehr stark. Die Bewohner haben zum Beispiel Asthma, chronische Erkranken oder Krebs. Durch die Verunreinigung der Felder geht außerdem die Artenvielfalt verloren und ganze Bereiche der Flora sterben aus.

Regenwald-Rodungen

Im Jahr 2019 haben die Rodungen im Vergleich zum Vorjahr um sage und schreibe 438% zugenommen.

Jede Minute wird eine Fläche von ca. 35 Fußballfeldern an Regenwald zerstört!

Dabei bindet der Regenwald jährlich 2 Milliarden Tonnen CO2 und produziert 20% (!!) des weltweiten Sauerstoffs. Der Regenwald wird meistens aus reiner Habgier gerodet. Es geht den Profiteuren um Rohstoffabbau, Palmölanbau und Platzgewinn für die Massentierhaltung. Des Weiteren werden sehr viel Soja und Mais als Tierfutter angebaut. Soja ist ein sehr gutes Kraftfutter für die Tiere. Dadurch wachsen sie schneller und der Ertrag aus tierischen Produkten ist ergiebiger. Bei Grasfütterung ist dies nicht gegeben, sodass auch in Europa sehr viel Soja verfüttert wird.

Eine Klarstellung: Das angebaute Soja wird also nicht hauptsächlich für den Tofu von Veganern produziert. Lediglich 6% des weltweit angebauten Sojas gehen auf das Konto der direkten Nahrungsmittelproduktion für den Menschen. 75% des Sojaanbaus wird für die Nahrung von Kühen verwendet. Der Rest findet sich als Sojaöl in Kosmetika.

„Jährlich importiert Österreich bis zu 550.000 Tonnen Sojaschrot, das hauptsächlich als Tierfutter genutzt wird.“

– Der Standard, 2017

Wasserverbrauch

Ca. 70% des weltweiten Frischwasserverbrauchs werden für die Fleischproduktion benötigt.

An folgenden Beispielen wird deutlich, wie viel weniger Wasser für pflanzliche Lebensmittel benötigt wird:

  • 1 kg Rindfleisch: 15 000 Liter Wasser
  • 1 kg Käse oder Schweinefleisch: ca. 5 000 Liter Wasser
  • 1 kg Kartoffeln: 150 Liter

Und noch ein Vergleich: Wenn wir jeden Tag 200 ml Milch trinken, verbrauchen wir aufs Jahr gesehen 45 000 Liter Wasser. Dies würde 703-mal zum Duschen reichen.

Methan und Lachgas

Beim Thema Klimaerwärmung wird meist nur von CO2 gesprochen und dabei vernachlässigt, dass nicht nur CO2 schädlich ist, sondern auch Methan und Lachgas.

Das Gas Methan entsteht bei der Verdauung von Nahrung beim Rind oder bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Dabei ist Methan sogar noch ca. 23-mal schädlicher als CO2!

Die Landwirtschaft ist mit 59% der größte Verursacher der Emission Lachgas. Lachgas entsteht durch eingesetzten Dünger, welcher Stickstoff-Verbindungen enthält. Diese zersetzen sich auf dem Feld und Lachgas wird in die Atmosphäre freigesetzt. Im Vergleich mit CO2 ist Lachgas 300-mal schädlicher als CO2.

Gesamt gesehen ist die Tierhaltung für 57% der Luftverschmutzung verantwortlich.

Hier mein persönliches Fazit:

Hilft es, wenn ich Bio Tierprodukte konsumiere?

Tatsächlich ist die Klimabilanz bei Bio-Produkten etwas besser. Aber die Tiere leben auch länger, was bedeutet, dass sie mehr Kot ausscheiden und mehr Mist produzieren. Sie verbrauchen trotzdem enorm viel Land und Wasser und stoßen Methan aus. Positiv ist, dass sie keine genmanipulierte Soja fressen, für welches der Regenwald gerodet wird. Trotzdem wäre es viel effizienter, auf diesen Flächen, welche für die Tierhaltung benötigt werden, stattdessen Obst, Gemüse, Getreide etc. für den Menschen anzubauen oder mit Flora aufzuforsten, um schädliche Emissionen zu binden und die Naturvielfalt zurück zu holen.

Ist es denn überhaupt möglich, unseren Planeten mit veganer Ernährung zu retten?

Es ist natürlich nicht das einzige, auf was man achten sollte. Dennoch trägt unsere Ernährung einen sehr großen Teil dazu bei, was mit unserer Erde passiert. Ein Viertel der weltweit entstandenen CO2-Emissionen gehen aufs Konto der Nahrungsmittelproduktion und davon 58% auf tierische Produkte.

„Jeder Veganer spart jährlich 2 Tonnen CO2.“

– Spiegel 2019

Mit diesen Fakten im Hinterkopf ist es an der Zeit unsere Ernährung zu hinterfragen und die nötigen Maßnahmen zu setzen, um den Klimawandel zu verlangsamen und die Zukunft für weitere Generationen lebenswürdig zu erhalten.

„Es wird nicht reichen, unser Essverhalten zu ändern, um die Erde zu retten, aber es ist unmöglich, die Erde zu retten, ohne unser Essverhalten zu ändern.“

– Jonathan Safran Foer