Australien im Ausnahmezustand

Seit Oktober 2019 wüten in Australien Buschfeuer. Eigentlich sind die Feuer nichts Unerwartetes, jedoch nehmen sie dramatische Ausmaße an. Die Brandsaison führt zum totalen Notstand für Mensch und Tier. Australiens Armee unterstützt die Einsatzkräfte im Kampf gegen die Buschbrände bereits seit Monaten mit rund 2.000 Soldaten.

Die Lage spitzt sich weiterhin zu. Die Temperaturen klettern bis auf 46 Grad und starke Winde werden vorhergesagt, sodass sich die derzeit ca. 330 Feuer in Australien noch weiter ausbreiten werden. In New South Wales und Victoria wurde der Notstand ausgerufen. Tausende Menschen wurden aufgrund der Buschfeuer aus ihren Heimatstädten an den Küsten vom Südosten Australiens in Sicherheit gebracht. Es war die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte Australiens zu Friedenszeiten. Laut aktuellem Stand sind bis jetzt 23 Menschen ums Leben gekommen.

Schaden an der Natur

Die Feuer haben bereits mehr als fünf Millionen Hektar Land zerstört. Dabei wurden hunderte Häuser und Gebäude vernichtet. Die abgebrannte 5 000 000 ha-Fläche entspricht der anderthalbfachen Fläche Belgiens oder mehr als der gesamten Waldfläche Österreichs (4 000 000 ha). Laut NASA sind durch die Brände 250 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt worden. Das entspricht jener Menge, die Österreich in rund drei Jahren freisetzt. Wir Österreicher produzieren jährlich 80 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent im Jahr.

Tiere besonders gefährdet

Laut einer neuen Studie der Universität von Sydney schätzt man die Zahl der gestorbenen Tiere im Staat New South Wales auf 480 Millionen Exemplare. Dabei sei diese Schätzung „sehr zurückhaltend“. Als relativ sicher gelte, dass der Großteil der Tierwelt den Feuern zum Opfer gefallen ist.

Besonders betroffen sind die Koalas, die ohnehin schon durch Krankheiten und ihren reduzierten Lebensraum eine sehr bedrohte Tierart sind. Sie fressen nur ausgewählten Eukalyptus und sind langsam in der Fortbewegung, weshalb sie nicht schnell genug vor den Flammen fliehen können. Die Zahl der verendeten Koalas während der Buschbrände ist noch unklar. Laut dem Ökologen Mark Graham vom Naturschutzrat des Landes seien die Feuer so heiß und entwickeln sich so schnell, dass es eine beträchtliche Sterberate von auf Bäumen lebenden Tieren gibt. Durch die immer noch tobenden Feuer wird man die Kadaver der Koalas nie finden. Bis jetzt sind jedenfalls bereits 80% des Lebensraumes der Koalas zerstört worden.

Verbranntes Känguru in Australien (dpa/James Ross)

Zukunft für die Tier- und Pflanzenwelt?

Wie es nach dem Löschen der Waldbrände aussieht, ist ungewiss. Die Buschbrände weiten sich nicht gleichmäßig über die Insel aus. Es gibt also immer wieder kleine Bereiche innerhalb des Landes, die von den Flammen unberührt sind. Dorthin flüchten sich Tiere, um sich zu schützen. Nur wenn sich die äußeren Bedingungen rasch verbessern, gibt es Hoffnung für die Natur und Tierwelt. Es hängt momentan alles vom Niederschlag und Klima in nächster Zeit ab. Es kann bis zu 40 Jahre dauern bis die Habitate wiederhergestellt sind.

Warum die Buschbrände?

Die ansteigenden Zahlen an Waldbränden hat mit den ansteigenden Temperaturen zutun. Dazu kommt, dass es seit Langem sehr trocken ist. Die Schwankungen im Indischen Ozean sind verstärkt zu spüren. Verantwortlich ist das Phänomen „Indischer-Ozean-Dipol“: Vor der Küste Australiens steigt kaltes Wasser aus der Meerestiefe empor und somit bilden sich weniger Wolken und die Niederschläge bleiben aus. Laut Klimaforscher*innen hat Australien durch den Klimawandel ein deutlich angestiegenes Brandrisiko. Es gäbe klare Indizien und die Brände seien anhand von Modellrechnungen so zu erwarten gewesen.

Ein umstrittener Premierminister

Premierminister Scott Morrison zieht den Zorn der Bevölkerung auf sich und wird vielfach kritisiert. Die Menschen werfen ihm vor, nicht schnell genug und effektiv gegen die Brände reagiert zu haben. Zudem tue er zu wenig im Kampf gegen den Klimawandel, da er überzeugter Kohlebefürworter sei.

Er hat sich lange Zeit zurückhaltend gegenüber der Notlage in Australien verhalten, auch was die Bereitstellung finanzieller Mittel betrifft. Erst nach langem Zögern und unter steigendem Druck stimmte er den freiwilligen Feuerwehrleuten eine finanzielle Entschädigung zu.

So war er im Dezember mit seiner Familie in Hawaii, während in Australien die Brände wüteten. Das sorgte bei vielen Menschen für Unverständnis. Am Tag nach Silvester schlugen ihm die Wut und Verzweiflung der Bevölkerung ins Gesicht. Die Bewohner beschimpften ihn und die Leute weigerten sich, ihm die Hand zu schütteln.

„Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie selbst einen Schlauch gegen die Brände richten. Aber die Menschen erwarten sich zu Recht, dass Sie umgehend darauf reagieren und zugleich eine eigene längerfristige Strategie erarbeiten.“

Parteichef der Liberalen, John Hewson, an Scott Morrison gerichtet
(Zitat Tageszeitung „The Age“).

Scott Morrison argumentierte, dass die Buschbrände keine verfehlte Klimapolitik seien. 

„Ich verstehe die Angst, ich verstehe die Frustration, aber das ist eine Naturkatastrophe, die am besten auf ruhige, systematische Art behandelt wird.“

Scott Morrison

Er nehme die Erderwärmung ernst, so Morrison. Er betonte aber zugleich bei einer Pressekonferenz in Sydney dass, er seine Politik nicht auf Kosten der Wirtschaft ändern werde.

Jetzige Situation

Die Temperaturen werden in nächster Zeit nicht sinken und die Winde werden mehr. Somit gibt es noch kein Aufatmen. Nun soll auch das Kriegsschiff „HMAS Adelaide“ für die Evakuierung eingesetzt werden. Zudem will Premierminister Morrison 3 000 Reservisten der Streitkräfte zum Kampf gegen die Buschbrände mobilisieren. 20 Millionen australische Dollar werden zur Verfügung gestellt, um vier Löschflugzeuge zu leasen.

Oftmals sind auch die Feuerwehrleute hilflos gegenüber dem Feuer (Orf)

Stand: 5. Jänner 2020

Quellen:
https://orf.at/stories/3149719/
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-01/waldbraende-australien-kriegsschiff-evakuierung-3000-reservisten
https://www.fr.de/panorama/australien-braende-treiben-bewohner-flucht-feuerwehrmann-stirbt-zr-13416685.html
NASA online