Klimakiller Internet

Fast jeder besitzt heutzutage schon ein Smartphone. Dazu auch noch einen Laptop und ein Tablet. Die Digitalisierung unseres Lebens schreitet immer weiter voran. Ohne Konsequenzen für unseren Planeten? Weit gefehlt.

Wenn es darum geht, was man als Einzelner gegen die Klimakrise machen kann, dann spricht man in der Regel von diesen Anliegen: Mehrweg- statt Einwegprodukte, faire Ökokleidung oder Secondhand, pflanzliche Ernährung, weniger mit dem Flugzeug fliegen, regionale Produkte konsumieren anstelle von exotischen Lebensmitteln. Aber denkt dabei jemand ans Internet?

Täglich werden Millionen von Fotos auf Instagram gepostet, viele Blogbeiträge und Podcasts über die Klimakrise veröffentlicht. Ein wichtiger Aspekt wird oft vergessen: Der Energieverbrauch durch digitalen Medienkonsum hat einen enormen Einfluss auf unsere Klimabilanz.

„Wäre das Internet ein Land auf unserem Planeten, dann hätte es den sechstgrößten Stromverbrauch.“

Wie kommt das?

Jedes Mal, wenn ein Mensch eine Suchanfrage auf Google oder Ecosia eingibt, eine Serie auf Netflix oder Youtube schaut oder über Spotify Musik hört, dann müssen irgendwo auf der Welt die Rechner auf Hochtouren laufen. Die Server in den Google-Datenzentren verbrauchen so viel Watt, dass man mit dieser Energie eine Stadt mit ca. 10 000 Einwohner versorgen könnte.
44 % der weltweiten Rechenzentren stehen in den USA und hierbei geht die meiste Energie in die Kühlung der Server. Doch der absolut größte Energiefresser ist das Streamen von Serien, Filmen, Dokus und Co.

Hier ein paar Zahlen, die zum Nachdenken anregen:

  • Geschätzte 416 Terrawatt Strom von allen weltweiten Rechenzentren wurden im Jahr 2015 verbraucht. Das entspricht 2% der globalen CO2 Emissionen und ist damit so viel, wie ganz Australien im Jahr 2015 oder der gesamte Flugverkehr 2015 ausgestoßen hat.
    Diese Zahlen mögen für den einen oder anderen harmlos klingen, doch zu bedenken ist: Die Digitalisierung schreitet ununterbrochen voran. Laut verschiedenen Prognosen soll sich die Zahl bis 2040 auf 14% erhöhen.
  • Die Überweisung eines Bitcoins verursacht 270 kg umweltschädliches Kohlendioxid. Allein im Jahre 2017 wurden 69 Millionen Tonnen CO2 dadurch emittiert. Wenn dieses Wachstum weiterhin so stark ansteigt, sorgt das ausgestoßene CO2 dafür, dass sich unser Planet bis zum Jahre 2035 um zwei Grad erhitzen wird. Das ist erschreckend, wenn man bedenkt, dass dies allein durch Bitcoin-Überweisungen verursacht wird.

„Der weltweite Email-Verkehr erzeugt genauso viele CO2 Emissionen wie 7 Millionen Autos.“

Es ist für den Menschen schwer zu begreifen, dass virtuelle Dienste wie Netflix, iCloud, WeTransfer und Co einen großen Teil zur Klimaerwärmung beitragen. Alles, was wir machen, hat Konsequenzen. Das ist nicht nur der Fleischkonsum, das Fliegen oder Fast Fashion, sondern auch Emails verfassen, Youtube Videos schauen, Binge Watching oder die Cloud nutzen. Selbst dieser Blogbeitrag hinterlässt Kohlendioxid-Spuren.

Ein so ein kleines Smartphone, mit den dahinterliegenden Infrastrukturen, soll einen so großen Schaden anrichten?
Verrückt, aber wahr.

„2 Stunden Netflix pro Tag in höchster Bildqualität verursacht aufs Jahr gerechnet 6.570 kg CO2 und schrumpft somit das arktische Sommermeereis um 20m2.“

„Overall online videos emit 300 Million tonnes of carbon each year and a third of this comes from streaming videos with pornographic content.“

Wie kann man den Energieriesen Internet nun in Schach halten?

Die Lösung dieses globalen Mammutproblems liegt nicht darin, das Internet zu boykottieren. Der bewusste Umgang macht es aus. Hätten wir kein Internet mehr, könnten wir uns nicht mehr international vernetzen, austauschen, andere Leute inspirieren oder ähnliches.

Das Problem liegt beim Nutzer. Wir sind täglich mehrere Stunden auf WhatsApp, sind permanent online und abrufbar. Abends werden noch zwei Stunden Serien geschaut und am nächsten Morgen stehen wird auf und der erste Blick geht wieder aufs Smartphone.

Was also tun?
Vor allem: auf Ökostrom umstellen und den Internetkonsum bewusster gestalten.

Einige ganz konkrete Anregungen dazu:

  • weniger Zeit auf Social Media verbringen und mehr Zeit offline verbringen
  • anstelle zu chatten, sich in einem Café in der Stadt treffen
  • einen Film in der Bücherei ausleihen anstelle auf Netflix zu streamen,
  • ein Buch lesen, statt YouTube Videos schauen
  • Ein zusätzlicher heißer Tipp, der zudem noch für Ordnung sorgt: die gesamten Emails, welche man nicht mehr benötigt, aus dem Postfach löschen. Auch sinnlose Newsletter gehören in den digitalen Müll und der Papierkorb ebenfalls komplett geleert, denn dies verbraucht viel Datenvolumen auf den weltweiten Servern.

Wichtig ist, dass vor allem die junge Generation über die Auswirkungen des digitalen Konsums aufgeklärt wird und jeder zu einem bewussteren Umgang mit dem Internet findet. Denn nur, wenn die Nutzer über die Auswirkungen Bescheid wissen, denken sie über ihr Verhalten nach und minimieren ihren Konsum auf das Nötigste.

Zu bedenken gilt , dass das Internet nicht gratis ist, denn irgendeiner zahlt schlussendlich die Rechnung.

Und das ist unsere Erde.

Quellen:
https://digital-magazin.de/klimakiller-internet/
Das Klimabuch von Birgit Bahtic-Kunrath